Von der Pflicht zur Kür: Warum DORA ein strategischer Hebel für Versicherer ist
News, 15.04.2025
Von der Pflicht zur Kür: Warum DORA ein strategischer Hebel für Versicherer ist
Die aktuelle Veranstaltungsreihe – wie etwa der DORA-Topic-Day bei RheinLand Versicherungen in Neuss – zeigte eindrucksvoll: DORA ist weit mehr als ein klassisches Compliance-Thema. Die europäische Verordnung zur digitalen operationalen Resilienz (Digital Operational Resilience Act) fordert nicht nur die Einhaltung neuer regulatorischer Standards – sie bietet vielmehr die Chance, die IT-Governance strategisch neu zu denken und betriebliche Resilienz nachhaltig zu verankern.
Wenn Versicherer, Banken, Finanzdienstleister und Assekuradeure ihre Prozesse, Dokumentationen und Risikomanagementsysteme nicht nur pflichtbewusst, sondern vorausschauend anpassen, wird aus dem regulatorischen Druck ein echter Wettbewerbsvorteil.
Vom Regulierungsdruck zur unternehmerischen Chance
Operational Resilience als Erfolgsfaktor
DORA zwingt Unternehmen dazu, IKT-Risiken (Informations- und Kommunikationstechnologie) systematisch zu erfassen und angemessen zu steuern. Es geht dabei nicht um vollständige Risikovermeidung – sondern um die Fähigkeit, auch unter Störfällen den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Für Versicherer bedeutet das: Der Fokus liegt künftig verstärkt auf pragmatischen, transparenten und widerstandsfähigen Prozessen, die jederzeit nachvollziehbar dokumentiert sind. Das Ergebnis ist nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern auch eine gestärkte IT-Governance als Fundament für unternehmerischen Erfolg.
Drittparteienrisikomanagement im Fokus
Ein oft vernachlässigter Aspekt wird durch DORA besonders hervorgehoben: das Management von Risiken aus Drittparteienbeziehungen – insbesondere bei IKT-Dienstleistern. Die Abhängigkeit von Cloud-Anbietern, IT-Outsourcing-Partnern oder SaaS-Diensten ist längst Realität. DORA verlangt nun, diese Beziehungen aktiv zu steuern, Risiken systematisch zu bewerten und in ein übergreifendes Resilienzkonzept zu integrieren. Für Versicherer ergibt sich hier eine wichtige Stellschraube zur nachhaltigen Sicherung des Geschäftsmodells.
Praktische Umsetzung & innovative Impulse
Tools und Prozesse als Umsetzungstreiber
Die Theorie ist klar – doch wie gelingt der Transfer in die Praxis? Zahlreiche Versicherer setzen bereits auf technische Lösungen wie automatisierte Schwachstellenanalysen, kontinuierliches Monitoring, Notfallmanagementsysteme und Informationsregister. Entscheidend ist dabei weniger die Einführung neuer Tools, sondern der kontinuierliche Betrieb und die laufende Anpassung an sich verändernde Bedrohungslagen.
RegTech als Enabler statt Hemmnis
Wird DORA zum Innovationshemmer? Oder entstehen durch die Regulierung neue Impulse für den Markt? Die Diskussionen beim DORA-Topic-Day zeigen eine klare Tendenz: Der wachsende RegTech-Markt liefert Technologien, die nicht nur bei der Compliance unterstützen, sondern auch Effizienzpotenziale heben. Frühzeitig auf resiliente Architekturen und automatisierte Governance-Prozesse zu setzen, kann zum Game Changer im digitalen Transformationsprozess werden.
Drei Chancen für Versicherer
1. Strukturierte IT-Governance etablieren
Durch DORA entsteht der nötige Rahmen, um IT-Prozesse neu zu strukturieren, Verantwortlichkeiten zu schärfen und ein unternehmensweites Verständnis für Resilienz zu fördern – inklusive Business Continuity Management und Krisenreaktionsplänen.
2. Wettbewerbsvorteile durch Innovation sichern
Der Aufbau digitaler Resilienz bietet nicht nur Schutz vor zukünftigen Risiken, sondern öffnet auch Türen für neue Geschäftsmodelle. Versicherer, die frühzeitig in den Aufbau DORA-konformer Strukturen investieren, stärken ihre Marktposition langfristig.
3. Den fachlichen Dialog fördern
Veranstaltungen wie der DORA-Topic-Day zeigen, wie wichtig der interdisziplinäre Austausch ist – zwischen Versicherern, Regulatoren, Technologieanbietern und Fachabteilungen. Nur durch Kooperation und gemeinsames Lernen entstehen tragfähige Lösungen für die gesamte Branche.
Fazit
DORA mag auf den ersten Blick wie ein weiteres regulatorisches Projekt erscheinen. Doch für Versicherer, die bereit sind, über reine Compliance hinauszudenken, bietet die Verordnung weitreichende Chancen: zur Stärkung der eigenen Resilienz, zur Effizienzsteigerung in der IT-Governance – und zur aktiven Mitgestaltung der digitalen Zukunft der Branche.
Wer DORA richtig versteht, erkennt darin keinen Zwang, sondern einen strategischen Hebel.
Ihre Ansprechpartner für Versicherungen
- Antje Pfeifer, Email: antje.pfeifer@sopra-ft.com
- Aaron Funccius, Email: aaron.funccius@sopra-ft.com