Crypto-Backed Lending – der nächste logische Schritt für Banken

Insight, 21.08.2025

Crypto currency concept - crypto wallet on the phone screen, neon color | © AdobeStock

Mit der MiCa-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation) ist der rechtliche Rahmen für digitale Assets in Europa klar definiert. Für Banken bedeutet das: Sie können sich als Crypto Asset Service Provider (CASP) lizensieren lassen und Krypto-Dienstleistungen im gesamten europäischen Markt anbieten. Das eröffnet einerseits neue Ertragschancen, andererseits erhöht es den Druck zu handeln. Im Interview erklärt Thomas Münch, Product Owner Crypto Solutions bei Sopra Financial Technology, warum Banken jetzt über Crypto-Backed Lending nachdenken sollten.

Herr Münch, was bedeutet Kreditvergabe mit Kryptowährungen konkret?

Thomas Münch: Crypto-Backed Lending ist im Prinzip ein Lombardkredit mit digitalen Assets als Sicherheit. Kunden hinterlegen zum Beispiel Bitcoin als Collateral und erhalten einen Kredit in Euro. Die digitalen Assets bleiben dabei im Eigentum des Kunden. So entfällt ein Verkauf, der sich für sie steuerlich oft nachteilig auswirken würde. Die Banken überwachen den Beleihungswert, den sogenannten Loan-to-Value laufend.  Sinkt er unter eine vereinbarte Schwelle, muss der Kunde nachbesichern oder einen Teil des Kredits zurückzahlen. Erfolgt das nicht, verkauft die Bank die hinterlegte Kryptowährung am Markt. Der Erlös fließt direkt in die Rückzahlung des Kredits. So wird sichergestellt, dass die Kreditsumme jederzeit vollständig durch den Sicherheitswert gedeckt ist.

Können Sie ein konkretes Beispiel geben?

Thomas Münch: Stellen Sie sich vor, ein Kunde möchte eine Immobilie kaufen. Sein Vermögen hat er überwiegend in Bitcoin angelegt. Ein Verkauf käme jedoch zum falschen Zeitpunkt. Mit Crypto-Backed Lending kann der Kunde die Bitcoin als Sicherheit hinterlegen, ohne sein Eigentum abzugeben. Er bleibt also an möglichen Kursteigerungen beteiligt und erhält dennoch die nötige Liquidität.

Warum ist das für Banken interessant?

Thomas Münch: Die kreditgebende Bank generiert damit ein zinsbringendes Geschäft und nutzt dafür eine vollständig regulierte Struktur. Das heißt, alle relevanten Vorschriften aus MiCA, nationale Lizenzpflichten sowie KYC- und AML-Anforderungen sind integriert. Die Kundensicherheiten werden segregiert verwahrt, Risiken laufend überwacht und bei Bedarf automatisiert abgesichert. So entsteht ein rechtskonformes, transparentes und sicheres Angebot für beide Seiten. Darüber hinaus können sie mit der Lösung ihr Produktportfolio erweitern. Die Kreditvergabe mit Kryptowährungen spricht neue Zielgruppen an, die oft signifikante Krypto-Assets halten, aber selten für traditionelle Kredite nutzen. Für Banken ist es die Chance, diese Kunden zu gewinnen und Cross-Selling Potenziale zu erschließen.

Wann sollen Banken einsteigen?

Thomas Münch: So schnell wie möglich. Die Kombination aus klarer Regulierung und wachsender Nachfrage ist gerade ideal. MiCA gibt Banken erstmals einen EU-weit gültigen Rahmen, um Krypto-Dienstleistungen anzubieten. Wer jetzt einsteigt, kann sich einen Vorsprung sichern, bevor Kreditvergabe mit Kryptowährungen zum Standard wird. Ein Blick über den Tellerrand zeigt: In Frankreich besitzen laut ADAN (Association for the Development of Digital Assets) 42 Prozent der Generation Z und 36 Prozent der Millennials Kryptowährungen. Vergleichbare Entwicklungen sind auch in anderen europäischen Märkten erkennbar. Viele Kunden erwarten Angebote, die Handel, Verwahrung und Finanzierung aus einer Hand bieten. Banken, die diese Lücke schließen, gewinnen neue Kunden und binden bestehende langfristig.

Sopra Financial Technology bietet als erstes Unternehmen in Deutschland Banken eine Infrastruktur für Crypto-Backed Lending an. Was genau umfasst dieses Angebot?

Thomas Münch: Wir entwickeln eine integrierte Plattform, die Verwahrung, Handel und Beleihung von Krypto-Assets kombiniert. Sie ist Teil der Sopra Crypto Solutions und wird als Software-as-a-Service bereitgestellt – kein Betrieb im eigenen Rechenzentrum notwendig. Die Integration in bestehende Kernbankensysteme erfolgt modular, auch als White-Label-Lösung. Für Verwahrung und Handel arbeiten wir mit Partnern zusammen. So erhalten Banken eine vollständig regulierte, sofort einsatzfähige Lösung – von der technischen Umsetzung über die regulatorische Konformität bis hin zu skalierbaren Integrationsmöglichkeiten.


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